Große Studie zeigt, warum manche Viren lebenslang im Körper bleiben — Forschung

Riesige Studie zeigt, warum einige Viren ein Leben lang in Ihrem Körper verborgen bleiben

Selbst die gesündesten Menschen unter uns tragen meist Viren in ihren Körpern. Diese Lauernden können sich letztendlich als Krankheit zeigen, liegen aber ansonsten unbemerkt und schlummernd da, entziehen sich der Entdeckung, damit sie nicht vollständig ausgerottet werden.

Eine neue Studie bringt mehr Licht in das Verständnis häufiger Viren, die sich in den Zellen gesunder Individuen verschanzen, und die virale Last, die Menschen typischerweise tragen.

Ein Team unter der Leitung von Forschern der Harvard Medical School untersuchte Aufzeichnungen von Blut‑ und Speichelproben von mehr als 917.000 Personen aus drei medizinischen Datenbanken und suchte nach Mustern in der Menge an viraler DNA, die im Körper zirkuliert, wenn diese Infektionen sich nicht zu einer Krankheit entwickeln.

Durch die Analyse genetischer Fragmente zur Berechnung dessen, was als virale Last bekannt ist, zeigt diese Messgröße an, welche Viren vorhanden sind und wie gut das Immunsystem sie bekämpft.

Die Forscher verknüpften die Werte der Viruslast mit bestimmten Bereichen der menschlichen DNA und stellten Zusammenhänge zwischen bestimmten genetischen Merkmalen und anderen demografischen Faktoren wie Alter, Geschlecht und der Fähigkeit, Viren zu unterdrücken, her.

Ein anderes Muster trat bei verschiedenen Viren zutage. So wurde beispielsweise das Epstein‑Barr‑Virus (EBV) im Alter häufiger, während das Herpesvirus HHV‑7 ab dem mittleren Alter abnahm. Die virale Last von EBV stieg im Winter und fiel im Sommer, während andere Viren stabiler waren.

Mit einer statistischen Technik namens Mendelianische Randomisierung konnten die Forscher auch Verbindungen zwischen Viren und bestimmten Krankheiten genauer aufschlüsseln.

Das Team stellte fest, dass eine hohe Viruslast für EBV ein direkter Risikofaktor für die Entwicklung von Hodgkin‑Lymphom später im Leben war.

Allerdings wurde dieselbe Beziehung zwischen EBV und Multipler Sklerose (MS) nicht gefunden, obwohl EBV als Auslöser für MS bekannt ist. Das deutet darauf hin, dass die Verbindung zwischen MS und EBV eher davon abhängt, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert, als von der Menge des im Körper vorhandenen Virus.

Nicht‑genetische Faktoren waren ebenfalls mit der viralen DNA‑Last verbunden, einschließlich Alter, Geschlecht und ob jemand raucht. Die meisten Viren waren bei Männern häufiger als bei Frauen.

Auf dieser Grundlage können Forscher weiter untersuchen, wie sich das Krankheitsrisiko eines Menschen von dem eines anderen unterscheiden kann – auch wenn sie dieselben Viren in sich tragen.

Diese Viren sind weiter verbreitet, als man denken könnte. Drei der Viren, die die Forscher durchsuchten, sogenannte Anelloviren, sind in 80–90 Prozent der Allgemeinbevölkerung zu finden – aber es ist noch nicht klar, welchen Zusammenhang sie mit Krankheiten haben.

Es ist zu beachten, dass die Forscher der Arbeit auf Genom‑Sequenzierungsdaten nur DNA‑Viren untersuchten, die sich im Erbgut verstecken und es kapern. Zusätzliche Arbeiten könnten auch RNA‑Viren, wie z. B. Coronaviren, untersuchen, die anders funktionieren.

Und es sind nicht nur aktuelle Infektionen, die unsere Gesundheit beeinflussen können. Manchmal beeinflussen alte Viren, die sich vor ewig langer Zeit in unsere Genome eingenäht haben, aber ihre Fähigkeit zur Replikation verloren, unsere Gesundheit auf seltsame Weise weiterhin.

„Es ist erstaunlich, wie viel DNA uns über dynamische biologische Prozesse lehren kann und wie sehr unsere Gewohnheiten, unsere Gene und unsere Biologie diese Prozesse formen“, sagt der Genetiker Steven McCarroll.

Die Forschung wurde in der Zeitschrift Nature veröffentlicht.

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