Medikamenten-Neuentdeckung: Schlafapnoe wird in klinischer Studie um 50 % verbessert

Umgenutztes Medikament verbessert Schlafapnoe in klinischer Studie um bis zu 50 %

Das Schlafen mit einer klobigen Atemmaske ist für viele Menschen mit Schlafapnoe ein Problem, aber eine komfortablere Alternative ist in Sicht. In einer kürzlich abgeschlossenen klinischen Arzneimittelstudie, die 2023 endete, hatten Teilnehmer, die die höchste Tagesdosis eines Epilepsiemedikaments einnahmen, nahezu 50 % weniger Atemunterbrechungen im Schlaf.

„Wir arbeiten schon lange an dieser Behandlungsstrategie, und die Ergebnisse zeigen, dass Schlafapnoe tatsächlich pharmakologisch beeinflusst werden kann“, sagt Jan Hedner, der an der Universität Göteborg in Schweden auf Lungenmedizin spezialisiert ist. „Es fühlt sich wie ein Durchbruch an, und nun freuen wir uns auf größere und längere Studien, um festzustellen, ob der Effekt über die Zeit anhält und ob die Behandlung für breitere Patientengruppen sicher ist.“

Messgrößen bei der Schlafapnoe umfassen Atemunterbrechungen (AHI3a und AHI4), Abfall des Sauerstoffgehalts (ODI) und mittlere Sauerstoffsättigung. Alle drei verbesserten sich bei Sulthiame im Vergleich zum Placebo.

Schlafapnoe kann auftreten, wenn die oberen Atemwege während der Ruhephasen plötzlich kollabieren, was zu erschwerten Atemmustern führt, die den Körper mit Sauerstoff entziehen und den Schlaf regelmäßig stören.

CPAP‑Geräte (kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck) sind so konzipiert, dass sie die oberen Atemwege während der gesamten Nacht offen halten. Seit vielen Jahren ist dies die Standard‑ und effektivste Methode, um den Schlaf bei betroffenen Patienten zu verbessern.

Ende 2024 jedoch hat die US‑Lebensmittelbehörde FDA ein Medikament namens Tirzepatid (Markennamen Mounjaro oder Zepbound) für Erwachsene mit Fettleibigkeit und moderater bis schwerer Schlafapnoe zugelassen.

Dies war das erste Arzneimittel, das für die Atemwegsstörung zugelassen wurde, aber seine schlafbezogenen Vorteile scheinen hauptsächlich auf Gewichtsverlust am Hals zurückzuführen zu sein, was zu einem größeren Atemweg führt, der weniger anfällig für Obstruktion ist.

Dieses Medikament behandelt nicht andere zugrunde liegende Probleme der obstruktiven Schlafapnoe, wie Muskelkraft in den Atemwegen oder die Kontrolle der Atmung durch den Körper.

Hedner und seine Kollegen argumentieren, dass „ein klarer, ungedeckter Bedarf für eine wirksame und gut verträgliche Behandlung“ besteht.

Das Antikonvulsivum, das sie testen, heißt Sulthiame. Es wurde erstmals in den 1950er Jahren synthetisiert und wird zwar heute in mehreren europäischen Ländern sowie in Israel, Japan und Australien zur Behandlung partieller Anfälle verkauft, ist aber in den USA nie registriert worden.

In einer vorläufigen Studie in Europa fanden Forscher 2024 heraus, dass Sulthiame den Muskeltonus der oberen Atemwege verbessern und die Atemkontrolle stabilisieren könnte.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen haben Forscher der Universität Göteborg nun eine große Phase‑II‑klinische Studie durchgeführt, um eine geeignete Dosierung für Schlafapnoe zu ermitteln.

Sie teilten eine Kohorte von 240 Teilnehmern in vier Gruppen auf: eine nahm täglich ein Placebo und die anderen drei Gruppen nahmen entweder 100 mg, 200 mg oder 300 mg Sulthiame täglich ein.

Die Teilnehmer, die in die Studie aufgenommen wurden, stammten aus medizinischen Einrichtungen in fünf europäischen Ländern (Belgien, Tschechien, Frankreich, Deutschland und Spanien) und waren alle mit moderater bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe diagnostiziert worden.

Diejenigen, die eine beliebige Dosis Sulthiame eine Stunde vor dem Schlafengehen einnahmen, zeigten weniger Atemstörungen, eine bessere nächtliche Sauerstoffversorgung und reduzierte übermäßige Tagesmüdigkeit im Vergleich zur Placebo‑Gruppe.

Diejenigen, die die beiden höchsten Dosen Sulthiame einnahmen, profitierten jedoch am meisten. Dosen von 200 mg oder 300 mg verringerten die Schwere der Schlafapnoe um etwa 30 % bis 50 %, berichten die Studienforscher, und übertrafen dabei das Placebo deutlich.

Es gab keine klinisch relevanten Sicherheitsbedenken, aber da Nebenwirkungen mit der Dosierung zunehmen, scheint 200 mg der optimale Punkt zu sein.

„Diese Ergebnisse führen eine neue individualisierte Pharmakotherapie bei Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen ein“, schließen Hedner und Kollegen.

Schlafapnoe wird geschätzt, Millionen von Menschen weltweit zu betreffen und ist mit einer Reihe von negativen Gesundheitseffekten verbunden, darunter kognitive Probleme, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen und Probleme mit Insulin. Einige Studien deuten darauf hin, dass das Risiko, die Erkrankung zu entwickeln, in den kommenden Jahren um fast 50 % steigen könnte.

Effektive Behandlungen sind rar. Das Verkleben des Mundes könne die Schlafapnoe verschlimmern, sagen Forscher, und selbst einige Mundschienen, die die Zunge nach vorne drücken, hätten Nachteile, wie z. B. eine Veränderung des Bisses.

Andere Forscher haben versucht, elektrische Impulse auf die Zunge anzuwenden, um die oberen Atemwege offen zu halten, und einige neuere Studien haben sogar herausgefunden, dass das Blasen in eine Konnenschale ebenfalls helfen kann.

Ein Medikament, das die Ursachen der Schlafapnoe direkt angeht, wäre eine willkommene Ergänzung im Behandlungsspektrum und könnte die Therapie weltweit erschwinglicher, zugänglicher und komfortabler machen.

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